„Mama gesucht“ – Darum stellt dieser Chef aus Überzeugung Mütter ein!

Links: Anna Wittke Rechts: Michael Kasper beim Deutschen Werbefilmpreis

Michi ist Inhaber von Kasper Communications in Freising bei München und hat gute Erfahrungen damit gemacht, Mütter einzustellen! Das tut er auch aus Überzeugung, wie er sagt. Anfang 2017 sorgte er mit der Stellenanzeige „Mama gesucht“ im Netz für Furore und verstieß damit sogar vorsätzlich gegen das Gleichstellungsgesetz.

 

„Mama gesucht“ - Darum stellt dieser Chef aus Überzeugung Mütter ein!

 

„Die erste Mutter, die ich damals eingestellt habe, ist heute Agenturleiterin. Anna macht tagtäglich einen großartigen Job! Das zeigt, dass Mütter durchaus Führungsaufgaben wahrnehmen können, wenn sie dazu befähigt sind.“

Im Interview erzählen Michi und Anna wie familienfreundliches Arbeiten aus Firmen- und Müttersicht funktionieren kann und warum es so wichtig ist, dass Unternehmen gesellschaftlich Verantwortung übernehmen.

 

Wie bist du eigentlich darauf gekommen, als Unterstützung für dein Team, ausgerechnet eine Mutter zu suchen?

Michi: Im privaten Umfeld war ich zu dieser Zeit von berufstätigen Müttern umgeben, die Familie und Beruf super gemanagt haben. Meine Schwester ist Mutter von zwei Kindern und hat damals in Teilzeit bei einer großen Firma als Assistentin der Geschäftsleitung gearbeitet. Sie hat mir stellvertretend für alle Mütter gezeigt, wie gut das funktionieren kann.

Der Arbeitsmarkt war schon vor zwei Jahren völlig abgegrast, nur hochqualifizierte Mütter wollte niemand einstellen. So bin ich auf die Idee gekommen, Mütter auf Facebook mit meiner Stellenanzeige direkt anzusprechen und für beide Seiten eine Win-Win-Situation zu schaffen.

Die Resonanz war überwältigend! Innerhalb kürzester Zeit bekam ich über hundert Bewerbungen und viele positive Nachrichten.

 

Auf der einen Seite gibt es extremen Fachkräftemangel, auf der anderen Seite finden motivierte Mütter oft keine Arbeit oder nur Jobs, für die sie formal überqualifiziert sind. Woran liegt das?

Michi: Kleine und mittelständische Unternehmen können es nur schwer kompensieren, wenn Frauen wegen Schwangerschaft oder Krankheit ihrer Kinder ausfallen. Die Angst ist groß, dass Mütter unzuverlässiger sind oder nicht flexibel genug agieren können.

Anna: Essentiell ist, dass beide Elternteile gleichberechtigt Verantwortung übernehmen können, wenn die Kinder krank Zuhause sind oder nachmittags von der KITA abgeholt werden müssen.

Auch Väter brauchen flexible Arbeitgeber. Ich kenne viele Papas, die gern mehr teilhaben wollen – zum Beispiel mit Elternzeit – deren Arbeitgeber sich aber grundsätzlich dagegen wehren. Hier muss sich insgesamt viel an der Einstellung von Unternehmen ändern.

Mein Mann und ich arbeiten beide 30 Stunden pro Woche in flexibler Teilzeit bei familienfreundlichen Arbeitgebern, die auch mal Homeoffice zulassen. Wir teilen uns alle Pflichten in Bezug auf die Kinder. Nur so konnte ich als Mama weiterhin Karriere machen.

Erfüllung im Beruf ist mir persönlich unheimlich wichtig. Ich liebe meine Kinder, aber auch meinen Job. Jede Familie sollte für sich das Modell leben können, das es gern hätte. Dazu braucht es aber das richtige Umfeld und die Firmen, die dafür auch die Bedingungen schaffen.

 

Was haltet ihr von Superheldin? Findet ihr eine Jobbörse für Mütter sinnvoll?

Anna: Auf jeden Fall! Hätte es Superheldin schon vor ein paar Jahren gegeben, hätte ich mir viele Fahrten zu Bewerbungsgesprächen gespart, in denen es nur darum ging, wie ich betreuungstechnisch aufgestellt bin und ob die Großeltern im Ernstfall einspringen können. Es ist toll, gleich zu wissen, dass die Stellen, auf die ich mich dort als Mutter bewerben kann, familienfreundlich und flexibel sind und Kinder kein K.o.-Kriterium sind. Das schafft im Vorfeld eine ganz andere Basis!

 

Wie kann die Zusammenarbeit mit Müttern funktionieren und was ist euch aus Arbeitgebersicht wichtig?

Michi: Letztendlich muss es menschlich und fachlich passen! Familienstand und Geschlecht sind für uns erstmal zweitrangig. Man kann nicht pauschal sagen, dass die Zusammenarbeit mit Müttern überwiegend positiv oder negativ ist. Ob es klappt, ist ganz individuell und hängt in erster Linie vom Menschen selbst ab. Besonders wichtig ist uns aber Vertrauen, Ehrlichkeit und gegenseitige Unterstützung! Wir erwarten hundertprozentigen Einsatz und garantieren im Gegenzug einen flexiblen Arbeitsplatz und absolute Chancengleichheit.

Für mich war das Ganze anfangs ein Experiment, weil ich der Meinung bin, dass familienfreundliches Arbeiten möglich sein MUSS. Natürlich ist das ein Prozess und setzt ständiges Geben und Nehmen voraus.

Oft werden Männer eingestellt, obwohl Frauen besser qualifiziert sind. Das ist der Skandal. Wenn ein Mann bei gleicher Eignung sympathischer ist und besser ins Team passt, würde ich aus Unternehmersicht auch den Mann einstellen.

Mittlerweile sind wir ein wachsendes Team aus zwölf Leuten – viele davon sind Mütter und Väter!

Das klingt alles so easy peasy, larifari! Aber wir machen einen krassen Job und müssen unseren Kunden termingerecht liefern. Das steht an erster Stelle. Gewisse Strukturen braucht jedes Unternehmen.

Die Zusammenarbeit mit arbeitenden Mamas muss auch aus unternehmerischer Sicht funktionieren. Für Firmen macht es keinen Sinn, Mütter nur deshalb einzustellen, um sich das Etikett „Familienfreundlich“ auf die Fahne zu schreiben.

Übrigens ist Karspercom nur deshalb so erfolgreich, weil mir meine Frau Eva Zuhause den Rücken freihält, sich um unsere Tochter kümmert, den Haushalt schmeißt und als Visual Merchandiserin nebenher einige unserer Kunden im Dekorationsbereich betreut. Ohne sie wäre das alles nicht möglich und ich habe tiefsten Respekt vor ihrer Leistung. Das war unsere gemeinsame Entscheidung und ich finde es schade, dass sich Mütter in unserer Gesellschaft für jede Entscheidung rechtfertigen müssen. Wollen sie Karriere machen, sind sie Rabenmütter, und entscheiden sie sich dazu, die Familie zu managen, wird auch das belächelt.

 

Habt ihr Tipps für Unternehmen, die ihre Verantwortung als familienfreundliche Arbeitgeber gern wahrnehmen würden, aber noch skeptisch sind, ob das klappen kann?

Michi: Natürlich müssen Arbeitgeber die Voraussetzungen für familienfreundliches Arbeiten schaffen und alte Strukturen aufbrechen. Darüberhinaus sollten Firmen keine Angst haben, Mütter und Frauen im gebärfähigen Alter einzustellen!

Als Arbeitgeber haben wir eine gesellschaftliche Verantwortung und nicht nur eine wirtschaftliche. Frau zu sein ist keine Behinderung und solange sich Personalverantwortliche lieber für einen studierten jungen Mann entscheiden, als für eine genauso qualifizierte Frau, läuft etwas schief.

Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, Teilzeitmitarbeitern Verantwortung zu übertragen und ihnen prinzipiell einen Vertrauensvorschuss zu geben! Genauso ist Jobsharing mit Müttern und Rentnern für uns ein funktionierendes Modell, das wir nur empfehlen können. Wichtig ist, bei Enttäuschungen nicht gleich den Kopf in den Sand zu stecken und es einfach weiter zu probieren!

Mit Kunden sollte man offen umgehen und die internen Herausforderungen klar kommunizieren. In der Regel reagieren Partner begeistert vom sozialen Engagement eines Unternehmens und zeigen Verständnis!

 

Fazit: Es lohnt sich neue Wege zu gehen und Mütter einzustellen!

Für Michi hat sich die unkonventionelle Stellenausschreibung gelohnt! Der Agenturchef stellt aufgrund der positiven Erfahrungen in den letzten Jahren weiterhin gern Mütter und Väter sowie junge Frauen ein. Von seinem Konzept ist er überzeugt und wünscht sich, dass mehr Unternehmen alte Muster über Bord werfen. In Zeiten von massivem Fachkräftemangel müssen Unternehmen neue Wege gehen und das Potential qualifizierter Mütter voll ausschöpfen, um weiterhin wirtschaftlich zu arbeiten!



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