Was familienfreundliche Chef*innen ausmacht – Sind Sie Beschäftigten mit Kindern ein guter Vorgesetzter?

„Familie oder Karriere, entscheiden Sie sich … bitte nicht!“ Während es vor einiger Zeit noch ein Einzelfall war, dass Beruf und Familie wirklich vereinbar waren, wendet sich das Blatt heutzutage. Junge Mitarbeiter*innen wollen trotz Kinder nicht auf Job und Karriere verzichten. Angesichts des steigenden Fachkräftemangels, erkennen auch die Unternehmen, dass sie ohne die Zielgruppe Eltern keine Chance mehr haben. Deswegen werden immer mehr Maßnahmen entwickelt, die den Bedürfnissen und Wünschen der Angestellten mit Familie zu Gute kommen.

Nicht nur für Eltern und Mitarbeitende, die Angehörige pflegen, ist die Familienfreundlichkeit eines Unternehmens zum ausschlaggebenden Kriterium bei der Arbeitsplatzwahl geworden. Auch Bewerber*innen ohne familiäre Verpflichtungen achten auf ein flexibles und verständnisvolles Arbeitsumfeld. Nicht zuletzt, zahlt sich Familienfreundlichkeit auch für Unternehmen aus. Mehr Spaß bei der Arbeit, bedeutet eine höhere Motivation und Loyalität seitens der Angestellten, was sich wiederum positiv in Umsatz und Gewinn widerspiegelt.

Die Vorteile bleiben auch bei den Geschäftsleitungen und Personalverantwortlichen nicht unerkannt! 83% der Manager*innen legen theoretisch Wert darauf, dass Familie und Job in ihrem Unternehmen gut vereinbar sind. Die Wahrnehmung der Beschäftigten unterscheidet sich jedoch stark. Nur 39% teilen diese Meinung.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist also Chef*innensache! Jedoch wirft die Umsetzung weiterhin Probleme auf. Die Frage ist, wie Sie als Geschäftsführender oder Personalverantwortlicher Ihren Angestellten entgegen kommen und eine langfristig familienfreundliche Unternehmenskultur schaffen können.

 

Was zeichnet familienfreundliche Chef*innen aus?

Als Arbeitgeber*in muss das Ziel sein, Familienfreundlichkeit und Vereinbarkeit, im Sinne der Mitarbeiter*innen, durchzusetzen. Dies ist kein Prozess der von Heute auf Morgen stattfindet. Der Wandel beginnt im Kopf und zeichnet sich durch Verständnis, Toleranz und Flexibilität aus. Deshalb muss eine Führungskraft familienfreundliche Werte durch ihre innere Haltung unterstützen und kommunizieren.

Familienfreundliche Chefinnen oder Chefs betrachten, befragen und berücksichtigen jeden Mitarbeitenden individuell. Nur bei einer toleranten Unternehmenskultur, in der offen kommuniziert wird, sind Angebote möglich, die den Mitarbeiterbedürfnissen entsprechen. Individuelle Arbeitsmodelle können inzwischen in 8 von 10 Betrieben mit der Führungskraft abgestimmt werden.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass sich die Mitarbeitenden von Vorgesetzten verstanden fühlen. Dazu zählt die Akzeptanz des privaten Raumes, in dem sich das familiäre Leben abspielt. Trotz der theoretischen Möglichkeit, ständig für den Vorgesetzten erreichbar zu sein, ist eine klare Abgrenzung wichtig, damit Eltern weiterhin aktiv an der Gestaltung des Familienlebens teilhaben können.

 

Eine familienfreundliche Unternehmenskultur

Einzelne Maßnahmen einer Führungskraft reichen nicht aus, um Familienfreundlichkeit im Unternehmen zu implementieren. Entscheidend ist die gelebte Unternehmenskultur jeder und jedes einzelnen, vom Minijobber bis zum Geschäftsführenden. Familienunterstützende Angebote dürfen nicht nur dem Employer Branding und Recruiting dienen, sondern allem voran der Personalbindung. Eine Möglichkeit, um das Meinungsbild im Unternehmen zu prüfen, sind Mitarbeiterbefragungen. Gibt es zum Beispiel Unterschiede zwischen Geschäftsführung und Beschäftigten? Gibt es bestimmte Forderungen, die das Unternehmen noch nicht erfüllt?

Eine offene Kommunikation und das Gefühl, nicht alleine zu sein, spielen in jeder Ebene des Unternehmens eine gleich große Rolle. Besonders bei unerwarteten Änderungen im Privatleben sind geschulte Ansprechpartner*innen wichtig. Diese können über rechtliche Regelungen oder mögliche Hilfsangebote informieren und zeitnah vermitteln.

Bei all diesen Schritten darf nicht vergessen werden, dass die Zielgruppe nicht nur Mütter sind, sondern auch Väter und Beschäftigte mit pflegebedürftigen Eltern. Die Kommunikation richtet sich also an alle Mitarbeitenden, die von Vereinbarkeitsangeboten profitieren sollen. Konservative Rollenbilder haben allmählich ausgedient. 2018 boten bereits über die Hälfte der Unternehmen eine spezielle Förderung für Väter an.

 

Konkrete Methoden für familienfreundliche Vorgesetzte

Flexibilität und fluide Systeme sind entscheidend, wenn es darum geht, den Beruf an die verschiedenen und sich ständig verändernden Lebensphasen der Mitarbeiter*innen anzupassen. Ob Gleitzeit, Teilzeit, flexible Vollzeit oder Home-Office, je individueller das Arbeitsmodell, desto weniger Ausfälle und Organisationsaufwand für alle Beteiligten. Außerdem ist es von Vorteil, ein Modell ohne Komplikationen wechseln zu können, wodurch Eltern ihre Arbeitszeit beispielsweise an das Alter ihrer Kinder anpassen können.

Betreuungsmöglichkeiten spielen bei der Entlastung der Familie ebenfalls eine tragende Rolle. Unternehmen können Belegplätze in benachbarten Kitas reservieren oder eine betriebliche Betreuung anbieten. Dies spart den Eltern nicht nur Zeit, sondern ermöglicht auch einen besseren Fokus auf die alltäglichen beruflichen Aufgaben.

Die Loyalität der Angestellten steigt vor allem dann, wenn seitens der Vorgesetzten Verständnis gezeigt wird. Es dürfen also keine negativen Konsequenzen folgen, wenn die Arbeit mal zurückstecken muss, um ein krankes Kind zu betreuen oder es von der Schule abgeholt werden muss. Methoden, um Mitarbeitende hierbei zu entlasten, sind Toleranz bei Kurzabwesenheit, die Freistellung bei familiären Problemen und Sonderurlaub.

Sinnvoll ist auch, den Wiedereinstieg (frischgebackener) Eltern zu fördern. Dies bedeutet anhaltenden Kontakt während der Eltern- oder Pflegezeit und anschließende Wiedereinstiegsprogramme wie Mentoring oder Buddy-Systeme. Die schnelle Rückkehr in den Betrieb wird erleichtert, wenn Eltern finanziell entlastet werden, indem es finanzielle Benefits für Mütter und Väter gibt oder die Betreuungskosten für Kinder übernommen werden.

Eltern-Kind-Büros sind ebenso eine willkommene Option, wenn es um die Zufriedenheit und den Erhalt qualifizierter Mitarbeiter*innen mit Kindern geht.

 

Vorteile eines familienfreundlichen Führungsstils für Unternehmen

Nicht nur die Beschäftigten, sondern auch das Unternehmen profitiert von mehr Familienfreundlichkeit. Eine erhöhte Zufriedenheit und Motivation der Arbeitskräfte äußert sich in besseren Leistungen und steigender Loyalität zur Firma. Eltern weisen zudem weniger Fehlzeiten auf, wenn sie durch das Home-Office eine flexible Zeiteinteilung haben. Dazu trägt auch der Fakt bei, dass Mitarbeiter*innen, die weniger gestresst sind, seltener krank werden.

Wenn gut eingearbeitete Angestellte nach der Elternzeit wieder problemlos in das Unternehmen einsteigen können, bedeutet dies weitere Vorteile. Es fällt kein Mehraufwand für die Einstellung, Einarbeitung oder Weiterbildung neuer Kolleg*innen an, die die Arbeit des Beschäftigten in Elternzeit übernehmen müssten.

Zudem wirkt bessere Vereinbarkeit in Unternehmen dem Fachkräftemangel entgegen. Eltern kehren nachweislich nicht nur früher in einen familienfreundlichen Betrieb zurück, Unternehmen punkten als attraktiver Arbeitgebender gleichzeitig auch bei jobsuchenden Müttern und Vätern.

Die Investition in Maßnahmen zur Förderung von Familie lohnt sich auch in finanzieller Hinsicht. Kein Fachkräftemangel, weniger Fehlzahlen und der Erhalt qualifizierter Mitarbeiter*innen – laut einer Studie der Prognos AG bedeuten diese Faktoren eine jährliche Rendite von über 25% für das Unternehmen.

Trotz einiger Schwierigkeiten finden 77% der Unternehmen das Thema Familienfreundlichkeit wichtig. Seit 2003 sind viele Unternehmen innovativer und flexibler geworden, wenn es um Arbeitszeit, Arbeitsort und Familienverantwortung geht. Natürlich können familienfreundliche Maßnahmen nicht in jeder Branche in derselben Ausprägung umgesetzt werden. Dennoch erfordert es ein breitgefächertes familienfreundliches Angebot, um Beschäftigte zu erreichen und langfristig zu binden. Entscheidend sind aber nicht nur die Angebote und Maßnahmen allein, sondern dass sie von Ihnen als Chefin oder Chef mitgetragen oder sogar vorgelebt werden. Haben Sie beim nächsten Mal, wenn Sie Ihre Kinder früher aus der KITA holen, also kein schlechtes Gewissen. Betrachten Sie sich selbst eher als authentisches, gelebtes Vorbild und besonders wertvolles Mitglied, das in Ihrem Unternehmen mutig eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorantreibt.



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