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Welche flexiblen Arbeitszeitmodelle gibt es?

Schluss mit altbackener Präsenzkultur, her mit mehr Selbstverantwortung und effizienter Ergebnisorientierung – ArbeitgeberInnen, die ihren MitarbeiterInnen beste Voraussetzungen für eine ausgewogene Balance zwischen erfolgreicher Arbeit und erfülltem Privatleben ermöglichen wollen, haben längst erkannt: Ohne Flexibilität geht es nicht.

Viele familienfreundliche Unternehmen rücken deshalb zunehmend von starren Arbeitszeiten ab und setzen auf flexible Modelle, die dir als MitarbeiterIn viel Spielraum bei der Gestaltung deiner Arbeit geben. Ob geringfügig beschäftigt oder mit 20-Stunden-Woche, ob in vollzeitnaher Teilzeit oder (flexibler) Vollzeit –moderne, gut gestaltete Arbeitszeitmodelle sind grundsätzlich unabhängig von deiner gewählten Stundenzahl und lassen dir im Idealfall viele Freiheiten, um deinen Alltag nach deinen Bedürfnissen zu strukturieren.

Doch welche Arbeitszeitmodelle gibt es überhaupt, und wie sehen sie im Einzelnen aus? Wir haben dir die beliebtesten Modelle zusammengestellt:

 

Gleitzeit (mit/ohne Kernzeit)

Ob du schon morgens um 7 Uhr produktiv am Schreibtisch sitzt oder erst nach dem Frühstück mit der Familie gegen 9:30 Uhr deinen Rechner hochfährst, ob du bereits am frühen Nachmittag die Segel streichst oder bis spätabends an einer kniffligen Aufgabe tüftelst – mit dem Prinzip der Gleitzeit spielt das für deinen Arbeitgeber keine Rolle. Denn solange du die deine Arbeit erfolgreich erledigst, deine vereinbarte Stundenzahl erreichst und dich an eventuell festgelegte Kernzeiten hältst (z.B. zwischen 11 und 15 Uhr), liegt die Gestaltung deiner Arbeitszeit in deinem Ermessen. Das sorgt für viel Gestaltungsspielraum und Flexibilität – und macht die Gleitzeit zu einem der beliebtesten und am meisten verbreiteten Arbeitszeitmodelle.

  • Perfekt für alle, die sich ihren Arbeitstag gerne individuell gestalten und flexibel auf die Herausforderungen des Alltags reagieren möchten (oder müssen!).

 

Vertrauensarbeitszeit

Das Ende starrer Stundenkontrolle, minutengenauer Zeiterfassung und unangenehmer Überwachungsatmosphäre: Vertrauen ist eines der höchsten Güter, die dir dein Arbeitgeber entgegenbringen kann. Mit der Vertrauensarbeitszeit beweist er dir, dass er es ernst meint, und legt die Gestaltung deiner Arbeitszeit vollständig in deine Hände. Was hier zählt, ist das Ergebnis deiner Arbeit – wann und in welcher Zeit du sie erledigst, ist dir überlassen und wird nicht kontrolliert.

Klingt super – heißt aber nicht, dass du deinen Stundenzettel ab sofort in die unterste Schublade deines Büroschranks verbannen solltest: Notiere dir auch in Vertrauensarbeitszeit deine Stunden, um den Überblick über deine Einsatzzeit zu behalten – das empfiehlt sich vor allem bei regelmäßigen Überstunden. Wie mit diesen umgegangen wird, sollte bereits am Anfang deines Arbeitsverhältnisses geklärt werden, denn auch im Rahmen der Vertrauensarbeitszeit hast du einen grundlegenden Anspruch auf die Abgeltung deiner Überstunden.

  • Perfekt für alle, die gerne eigenverantwortlich und ergebnisorientiert arbeiten und sich perfekt selbst organisieren können.

 

Funktionszeit:

Vielleicht kennst du das Modell der Funktionszeit unter dem Begriff „zeitautonome Arbeitsgruppe“. Was zunächst etwas angestaubt klingt, ist bei näherem Hinsehen eine gute Sache: Es handelt sich dabei um eine Variante der Gleitzeit mit Kernzeit, die voll und ganz auf die Arbeit im Team ausgelegt ist.
Statt verpflichtender Anwesenheitszeiten für einzelne Teammitglieder gelten dabei vom Arbeitgeber definierte Funktionszeiten für den gesamten Betriebsbereich. Im Mittelpunkt steht immer das angepeilte Arbeitsergebnis, für das ihr im Team selbst verantwortlich seid – wer wann wo und wie lange anwesend ist, das entscheidet ihr ganz autonom selbst. In einem gut funktionierenden Team ermöglicht dieses System jedem einzelnen Mitarbeiter viele Freiheiten – bringt aber auch jede Menge Verantwortung mit sich.

  • Perfekt für alle, die unternehmerisch denken und gerne Verantwortung – sowohl für sich selbst als auch für ihr Team – übernehmen.

 

Jahresarbeitszeit:

Das Modell der Jahresarbeitszeit findet sich oft in Branchen mit ausgeprägtem Saisongeschäft und heißt so viel wie: Ist viel zu tun, ist dein voller Einsatz gefragt – ist wenig los, darfst du dich auf eine Extra-Portion Freizeit freuen. Dafür wird deine wöchentliche bzw. monatliche Arbeitszeit auf das gesamte Jahr hochgerechnet und je nach Auslastung auf die jeweiligen Monate verteilt – deine Vergütung bleibt dabei über alle 12 Monate hinweg konstant. Das bietet nicht nur deinem Arbeitgeber, sondern auch dir selbst viele Gestaltungsmöglichkeiten, die dir die Vereinbarkeit von Job und Familie erleichtern können.

  • Perfekt für alle, die in saisonal schwankender Auftragslage arbeiten, bei Bedarf gerne Vollgas geben und sich bei Unterauslastung nicht unnötig am Arbeitsplatz langweilen wollen.

 

Lebensarbeitszeit:

Wir wissen es ja alle: In der Zeitspanne zwischen Berufseinstieg und Rentenbeginn ist im Leben einiges los – und nicht alle Lebensphasen sind dafür geeignet, beruflich 120 Prozent zu geben. Diesem Grundgedanken widmet sich das Konzept der Lebensarbeitszeit: Sie ermöglicht es dir, in Phasen, in denen du all deine Energie und Zeit in deine Arbeit steckst, ein Zeitguthaben aufzubauen, das du zu einem späteren Zeitpunkt, etwa wenn die Familie in den Vordergrund rückt oder du ein Sabbatical einlegen möchtest, einsetzen kannst. Ebenfalls möglich: Mit dem angesparten Guthaben ganz entspannt einige Jahre früher in den Ruhestand starten. Auch ein guter Ausblick, oder?

  • Perfekt für alle, die das große Ganze im Blick haben und gerne langfristig planen.

 

Jobsharing:

Wenn du trotz Teilzeit nicht auf anspruchsvolle Vollzeitprojekte und umfassende Verantwortung verzichten willst, bekommst mit dem Prinzip des Jobsharings die Möglichkeit, dir eine Stelle mit einer anderen Person (oder, bei richtig großen Projekten, auch mehreren) zu teilen. Die jeweilige Ausgestaltung liegt dabei bei dir und deinem Teampartner sowie den Gegebenheiten eures Projekts: Ihr selbst entscheidet eigenverantwortlich, wer welche Aufgaben übernimmt und wie ihr eure Arbeitszeiten aufteilt – ob im Halbtags-, Wochen- oder sogar Monatsrhythmus.

  • Perfekt für alle, die gerne im Team arbeiten, auch mit reduzierter Stundenzahl die ganz großen Projekte stemmen möchten und dadurch beruflich vorankommen wollen.

 

Zeig Initiative

Möglicherweise findest du in deinem Job nicht eines der vorgestellten Arbeitszeitmodelle in seiner reinen Form, sondern triffst auf eine kluge Kombination mehrerer Modelle, die dein Arbeitgeber im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten auf seinen Bedarf angepasst hat.

Doch was, wenn du bspw. Lust auf Jobsharing mit einer passenden KollegIn hast, dein Arbeitgeber dies aber nicht anbietet? Oder wenn euer Team wie gemacht wäre für das Modell der Funktionszeit, dein Chef jedoch nichts davon weiß? Einfach ansprechen – am besten bereits mit einem groben Schlachtplan, wie das von dir gewählte Modell in deinem persönlichen Fall funktionieren könnte. Ein guter Arbeitgeber freut sich über deine Eigeninitiative und ist offen für Vorschläge (auch wenn sich vielleicht nicht immer alles wie gewünscht umsetzen lässt). Und wer weiß – und vielleicht eröffnest du damit auch deinen KollegInnen neue Möglichkeiten für noch flexiblere Arbeitszeitmodelle.

 

Sarah von Nahmen

Die freie Texterin studierte Internationales Personalmanagement. Als berufstätige Mutter kennt sie auch privat die Herausforderungen, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen.

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